Burg Grippekoven

Info

Grippekoven um 1805
Grippekoven um 1805

Gripekoven ist ein Dorf in der Gemeinde Wegberg, Kreis Heinsberg, NRW .

Wer aus dieser Gegend stammt, hat sicher auch "das Findelkind von Gladbach" gelesen, ein Roman aus der Zeit des 30.jährigen Krieges in dieser Region. Diese Burg spielt darin eine zentrale Rolle, bereits damals als Ruine. Aber wo Raum für Bilder sind, ist auch Raum für Legenden. So ließen einem das Thema Burg Grippekoven, zumal als Junge, nicht in Ruhe und so beschloß ich, diese Burg zu finden. Dies gelang mir auch, allerdings noch zu einer Zeit, als der Mühlenbach ein Sumpfgelände war. Sogar Mauereste ließen sich damals noch ca 1965 finden.

Nun ist mir also auch noch Toni Mennens Buch XXVI in die Finger gefallen.

Zu welchen Ergebnissen Mennen kommt ist schon außergewöhnlich, aber auch realistischer als Volkes Meinung zum Thema Raubritter wie unten beschrieben.

Hier die meines Erachtens interessantere Variante.

Alt Grippekoven


aus http://www.ms-visucom.de/cgi-bin/ebidat.pl?id=4351

Geschichte:
Alt-Gripekoven liegt am Rande der Niederung des Als- oder Mühlenbaches nordwestlich von Gripekoven. Die Burg wird 1225 erstmals erwähnt. Sie war Allodialbesitz, also kein Lehen sondern Eigentum des Burgherren. Goswin von Gripekoven und sein gleichnamiger Sohn werden als Zeugen im Jahr 1240 in einer Urkunde Otto II. von Wickrath und im Jahr 1259 in einer Urkunde des Burgrafen Hermann von Wassenberg genannt. Der ältere Ritter Goswin findet 1271 noch einmal Erwähnung, der jüngere Goswin war 1277/78 Rat des Herzogs von Limburg. In dieser Zeit fand die Familie von Gripekoven eine neue Heimat auf Burg Holtrop bei Bergheim-Niederaussem. Ein Werner von Gripekoven und sein Sohn waren 1304 Gefolgsleute der Abtei Kornelimünster und werden als ansässig in Niederaussem bezeichnet. Gerhard von Engelsdorf erwarb 1303/04 die Burg Alt-Gripekoven und sicherte sich dadurch die alten Ritterechte. In den nächsten Jahren erbaute er rund 250 Meter östlich die neueBurg Gripekoven (siehe dort). Die alte Burg wurde als Herrensitz aufgegeben. Das Anwesen blieb aber freies Hofgut bis 1802 und behielt bis heute seine wirtschaftliche Funktion. (Markus Westphal)

Bauentwicklung:
Die Anlage mit Haupt- und Vorburg sowie Wassergräben war 250 x 170 Meter groß. Archäologische Beobachtungen beim Anlegen eines Sickergrabens im Jahr 1989 zeigten einen interessanten Befund: In der Mitte des äußeren Wassergrabens hatte man angespitzte Pfähle, die durch diagonal verlegtes Flechtwerk verbunden waren, eingelassen. Ähnliche angespitzte Pfähle von bis zu 15 cm Durchmesser kamen 1972 zusammen mit Keramik, Mühlsteinen, Zinntellern und einer Eisenaxt aus unterschiedlichen Zeiten (12./13. bis 15. Jahrhundert) bei Entschlammungsarbeiten im nördlichen Vorburggraben ans Licht. Am inneren Rand des Wassergrabens verlief rund um die Burg eine Palisade aus Rundstämmen.
Die Verbindung von der Haupt- zur Vorburg erfolgte über eine Holzbrücke, zu der in der Vorburg eine fünf Meter breite Erdrampe von rund 20 Metern Länge führte. Eine solche Rampe kommt bei Motten selten vor. Neben anderen Hinweisen zeigt dies die Bedeutung des Adelssitzes, der schon um oder vor 1200 ein bedeutendes Machtzentrum gewesen sein dürfte. Untermauert wird diese Annahme durch archäologische Funde, wie Keramikscherben des 11./12. Jahrhunderts und einen gut erhaltenen graublauen Kugeltopf, die bei Ausschachtungsarbeiten im Burgbereich zutage kamen. Im Osten war die Anlage durch einen rund 50 Meter breiten und fünf Meter tiefen Wassergraben gesichert. Im Westen war nur ein Trockengraben von fünf Meter Breite vorhanden. Nachdem der Alsbach im 15. Jahrhundert in sein Bett zurück verlegt wurde, entstanden im Bereich der ehemaligen Wassergräben Hofgebäude. Zum Auffüllen der Gräben wurde wohl auch die Motte zum größten Teil abgegraben. (Markus Westphal)

Baubeschreibung:
Der Mottenhügel misst heute noch 20 x 15 Meter bei einer Höhe von rund 1,5 Metern. Die Vorburg besitzt eine Innenfläche von 115 x 50 Metern. (Markus Westphal)

Arch-Untersuchung/Funde:
Scherben 13.-15. Jh., Zinnteller, Axt, Mühlsteine

Motte Gripekoven

Motte Grippekoven rechts
Motte Grippekoven rechts Grippekoven hatte 2 "Burgen", die Motte und die Burg. Von Engelsdorf hatte sich die Motte gekauft, damit er Besitz an einem "Haus "hatte. "Haus" ist ein Adelssitz und Titel. Der Hügel ist rechts zu erkennen

Burgberg Engelsdorf/Neu Gripekoven

Der Höchste punkt der Motte
Der Höchste punkt der Motte von hier Blick ins Mühlenbachtal Die Anlage ist für damalige Verhältnisse recht groß. Einen Eindruck von dieser Größe ist im Winter gut erkennbar, wenn das Laub der Bäume nicht stört. Zu finden ist sie am Ortsausgang Grippekoven langs des Waldrandes. Hier biegt scharf links der Weg zur Motte ab. im Sommer ist z.B. von Genhausen aus an der unterschiedlichen Höhe der großen Bäume die Lage der Burg zu erkennen.

Zur Geschichte der Burg

Rundreise über die Burg

Urkundlich erstmals erwähnt wird „Haus Gripekoven“ 1240 im Besitz von Goswin de Gripinghoven. Da ging noch alles gesittet zu. Doch gut 100 Jahre später - mittlerweile hatten andere Geschlechter das zur weitläufigen Burganlage ausgebaute Anwesen übernommen - war’s vorbei mit der Ruhe, wie der Heimatverein Wegberg-Beeck in den „Beecker Blättern“ beschreibt.

In jener Zeit, kriegerische Auseinandersetzungen und unbeschreibbare Armut in der Bevölkerung beherrschten das Leben, wurden vielerorts aus den edlen Rittern mit tugendhaften Eigenschaften, „verrohte und wüste Raubritter“, wie es in Überlieferungen heißt. Und: „Bei den Raubrittern von Gripekoven handelte es sich um eine besonders üble und grausame Horde.“

Plünderungen, Brandschatzungen, Überfälle und Lösegeld-Erpressung wurden den Gripekovener Herrschern nachgesagt. Und wer sich deren Befestigungsanlagen näherte - ja, der konnte fast sicher sein, dass sein letztes Stündlein geschlagen hatte. Und das auf grausame Weise. Das war vor allem zwischen 1351 und 1354.

Auf der Burg Gripekoven saßen zu der Zeit die Raubritter Godwin und Arnold von Cevel, die mit dem Knappen Dreyle und 44 Räubern ihr Unwesen trieben. So stark, dass es sogar Kaiser Karl IV. nicht verborgen blieb. Der wollte nun endgültig mit dem Raubrittertum aufräumen. Er fand als Verbündete den Herzog von Jülich, den Grafen Dietrich von Leon, die Herren zu Heinsberg und Blankenberg. Mit 1000 Mann wurde die Burg Gripekoven vom 5. Mai bis 23.Juni 1354 belagert - da gaben die Raubritter, fast verhungert und verdurstet, auf. Nach dem Urfehde-Schwur wurde ihnen freier Abzug gewährt, und die Burg wurde geschleift. Heute erinnert außer einem kleinen Erdhügel nichts mehr an die grausigen Taten. Gripekoven mit seinen 43 Einwohnern ist ein friedliches
bäuerliches Dörfchen. Und Wanderer und Radler brauchen sich nicht mehr zu fürchten.