Süchtelner Höhe I

Am Heiligenberg bei Kapelle

Wegekreuz bei St.Irmgardis kurz davor
Wegekreuz bei St.Irmgardis kurz davor

Am Heiligenberg

Inschrift:
Inschrift: J. H. S. Anno 1729 den 16. Dag Maey Johannes Stefes G.T.D.S ("Gott trost die Seel")

Bericht zum Kreuz

aus www.soetele.de
"Der Hauderer Johannes Stefes
Johannes Stefes, armer Leute Kind, war schon in jungen Jahren ein Hauderer ( Fuhrmann ) geworden. Sein Hund, sein Pferd und er bildeten einen trauten Bund miteinander und unzertrennlich gehörten sie zusammen. Auf jedes von ihnen konnte man sich verlassen. Seiner knarrenden Karre wurden oft wertvolle Dinge anvertraut. Er brachte sie preiswert, pünktlich und heil an ihren fernen Bestimmungsort.

Aber Johannes Stefes war nicht lediglich ein biederer Fuhrmann und zuverlässiger Spediteur. Auf seinen meist einsamen Fahrten zwischen Süchteln, Krefeld, Dülken und M’Gladbach war er nie müßig oder gedankenlos. Die Stille der damaligen Landstraßen, die weiten Felder ringsum, die dichten Wälder, die sie unterbrachen, machten ihn innerlich tief nachdenklich. Mit Leuten, die gleichen Weges gingen, redete er ernsthaft und zielbewusst. Wie er selbst keine Fahrt unnötig und zwecklos machte, so sollte auch die Reise seines Lebens ein festes Ziel haben. Unablässig spekulierte er über Leben und Sterben, über Kommen und Gehen der Menschen. Fahrenderweise verglich er ihren Lebenswandel mit dem Verkehr auf den Straßen, Pfaden und Wegen, die niemand eingehender kannte als er.
Nichts kam ihm kläglicher vor als sanglos, klanglos, namenlos unterzugehen und von heute auf morgen vergessen zu werden. An Sonn- und Feiertagen fand sein Nachdenken reiche Nahrung. Die Heiligen, deren bunte Bilder er in der Kirche sah und von denen er dort hörte, kamen ihm glücklich und beneidenswert vor. Sie hatten glücklich erreicht, wonach er noch mühsam strebte. Ihr Herr und Meister sprach von ewigen Dingen wie andere Menschen von alltäglichen Sachen. Alles hatte Hand und Fuß und ergänzte, was er selbst auf stiller Straße so oft gedacht und erlebt hatte.

So fuhr er eines Tages wieder über Land. Es war mitten im Mai. Am späten Abend erst befand er sich auf der Heimfahrt. Wieder bildeten Pferd, Hund und Fuhrmann eine unzertrennliche Einheit. Von Dülken kommend, verließ die schwerbeladene Karre nach beschwerlicher Fahrt bergan die breite Landstraße, bog in den schon dunklen Wald ein und näherte sich der weißen Irmgardis-Kapelle, die unter der uralten Linde wundersam leuchtete. Da wurde es Johannes Stefes beklommen ums Herz. Mit letzter Kraft kletterte er von seiner Karre und legte sich am Wege ins hohe Gras und Farn, um wieder zu sich zu kommen. Hund und Pferd hielten von selbst an und wichen nicht von der Stelle. Ein Herzschlag machte am 16. Mai 1729 seinem braven Leben ein
jähes Ende. Im Laufe des folgenden Tages fand man seine Leiche. Pferd und Hund hielten treu die Totenwacht. Seine Peitsche lag neben ihm im Grase, seiner müden Hand entfallen. Aus seinem Nachlaß setzte man ihm an dem Weg zur Kapelle ein schlichtes steinernes Kreuz mit der Inschrift:

„ J. H. S. Anno 1729 den 16. Dag Maey Johannes Stefes G.T.D.S.”

So ist sein Sinnen und Trachten in Erfüllung gegangen. Er ist nicht namenlos in die Ewigkeit eingegangen, nicht spurlos aus dieser Welt geschieden. Johannes Stefes aus Süchteln hat schon Millionen Menschen in seinem Kreuz überdauert, die längst vergessen sind.

neu Fotos vom Kreuz 4.2009

Mahnkreuz

Süchtelner Höhen
Süchtelner Höhen A(nno) 1791 den 14. März, ist Anna Margarita Terporten, alt 910 Jahr, durch eine Mördershand grausamlich umgebracht (worden)

Bericht zum Kreuz

aus http://www.soetele.de
"Umweit der Heiligenbergskapelle steht am Rande eines Hohlweges ein schlichtes Steinkreuz, gewidmet dem Andenken eines unglücklichen Süchtelner Mädchens.

Am 14. März 1791 war die kaum 10 Jahre alte Anna Margarita Terporten aus Süchteln mit ihrer älteren Schwester und einem Jungen vom Putterhofe bei Boisheim auf dem Wege nach Boisheim. Die kleine Anna eilte schon bald den anderen beiden voraus, da sie den Weg alleine wußte. Als die beiden Kinder in Boisheim ankamen, Anna Margarita aber von niemandem gesehen worden war, begab man sich sofort auf die Suche, die man auch in der Nacht hindurch fortsetzte.

Erst gegen 11 Uhr des nächsten Tages fand man Anna tot und völlig entkleidet in einem Hohlweg beim Heiligenberg, durch zahlreiche Messerstiche und Schnitte entsetzlich zugerichtet, so daß man in Süchteln zunächst an einen Ritualmord glaubte, wie eine Eintragung, die man aber wieder gestrichen hat, im Süchtelner Sterbebuch ausweist. Weit über Süchteln hinaus erregte die Untat allgemeines Aufsehen.
1791 erschien in Düsseldorf eine Druckschrift: „Wahre Geschicht eines im Süchtelner Walde auf eine greuliche Art ohnlängst ermordeten zehnjährigen Mädchens, Anna Margareta Terporten, aus Süchteln gebürtig.” Und der Dülkener Peter Paulus Antwerpes schrieb damals in sein Tagebuch: „1790, den 14. März, ward Margaretha ter Porten aus Süchteln, 13 Jahre alt, von Johan Königs aus Anrath auf dem Busch ganz sonderbar ermordet. Der Mörder ist gerädert worden.“ Da Antwerpes seine Eintragung erst einige Zeit nach der Hinrichtung des Verbrechers gemacht hat, ist es nicht verwunderlich, daß ihm bei den Zahlenangaben einige Unrichtigkeiten unterlaufen sind.

Ausführlich berichtet die Rabessche Familienchronik über die Ergreifung des entmenschten Täters Johannes Königs aus Anrath, der Anfang Juli in Kempen verhaftet und am 7. Juli nach Süchteln ausgeliefert wurde. Sorgsam von Schützen aus Süchteln und Dülken sowie einer Dragonerabteilung bewacht, brachte man ihn an den Ort seines Verbrechens, wo er im Beisein des gesamten Schöffengerichts die Tat mit allen Umständen bekannte und bestätigte. Der einfältige aber nicht minder brutale Dieb hatte geglaubt, wenn er das Herz eines unschuldigen Kindes bei sich führe, wäre er vor Nachstellungen bei seinen Raubzügen sicher.

Nach Jülich geführt, wurde er dort am 3. Oktober gegen 10 Uhr vormittags gerädert. Der Scharfrichter zerschmetterte zunächst durch vier Schläge die beiden Arme des auf ein Kreuz gespannten Mörders. Hierauf wurde fünf Minuten lang eingehalten und die gerichtliche Vernehmung fortgesetzt. Alsdann erhielt der Verbrecher drei Schläge auf den Kopf und sechzehn auf die Brust.
Der Henker legte den Kadaver alsdann in einen Trog, der und verweilt nach Dülken geschafft und mit dem zur Hinrichtung gebrauchten Rad am nächsten Tage auf der Bistarder Heide zur Schau gestellt wurde. Sicherlich ein schauriges Bild, aber die alte Strafjustiz glaubte, auf solche „abschreckenden Exempel“ nicht verzichten zu können. Übrigens war es das letzte „Schauspiel“ dieser Art im Bistard.

Gedenkkreuz für die kleine Anna am Heiligenberg

A(nno) 1791
den 14. März, ist Anna Margarita Terporten,
alt 9–10 Jahr, durch eine Mördershand
grausamlich umgebracht (worden)

( Gedenkkreuz-Inschrift ) "