Hückelhoven

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Hückelhoven um 1805
Hückelhoven um 1805 Bureau topographique de la carte des quatre Départements réunis de la rive gauche du Rhin 1801, 1815-1815 Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei

Hückelhoven (vormals Hückelhoven-Ratheim) ist eine Stadt im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen, nahe der Grenze zu den Niederlanden.

Der Ort ist durch den Steinkohlenbergbau geprägt, ihm verdankt Hückelhoven auch seine Entwicklung von einem Dorf zu einer Stadt. Nach fast einem Jahrhundert ist die Zeche Sophia-Jacoba inzwischen geschlossen, die Stadt befindet sich nun in einer neuen Entwicklungsphase.

Haus Hückelhoven

Haus Hückelhoven

Hückelhoven verdankt seinen Namen dem Erbauer des Hauses Hückelhoven und vermeintlichen Dorfgründer Reinhard von Huckilhoven, der im 13. Jahrhundert die ehemalige Wasserburg als Sitz des gleichnamigen Geschlechtes erbaute. Als um die Wende des 16. Jahrhunderts das Geschlecht im Mannesstamme ausstarb, wurde 1505 Johann von Olmissen, genannt Mulstroe, mit Burg und Hof zu Hückelhoven belehnt. Nach dem Aussterben der Familie von Olmissen im Mannesstamme folgten verschiedene Anverwandte als Besitzer des Hauses Hückelhoven, bis es an die katholische Kirche zu Hückelhoven verkauft und seinem heutigen Zweck zugeführt wurde http://www.hueckelhoven.de/go/stadtportrait-geschichte.html

aus http://www.ms-visucom.de/cgi-bin/ebidat.pl?id=4034
Geschichte:
Die Burg liegt im Zentrum von Hückelhoven. Im 13./14. Jh. war sie Stammsitz der Herren von Hückelhoven und ein Wassenberger Lehen. Schon 1231 wird ein Sibert von Hückelhoven erstmals erwähnt. Im Jahr 1261 erwarb Sibert das Patronatsrecht an der benachbarten Kirche St. Lambertus. 1262 erscheint sein Bruder Heinrich von Hückelhoven in den Quellen. Als Sohn Siberts wird 1284 ein Wilhelm von Hückelhoven genannt. Aus dem 14. Jh. sind ein Johann von Hückelhoven und sein Sohn Paul als Inhaber des Adelssitzes bekannt. In der ersten Hälfte des 15. Jh. starb das Geschlecht derer von Hückelhoven aus. 1470 übernimmt Ludwig Mulstroe den Sitz als Lehnsvormund von Margarethe von Kintzweiler, der Witwe des Gottschalk von Muntze. Zum Besitz gehören zu dieser Zeit 200 Morgen Ackerland, der dritte Teil des Hückelhovener Zehnten sowie das Kirchenpatronat.
1480 wird Johann von Heimbach, wohl ein Verwandter des Vorbesitzers, und 1505 Johann von Olmissen genannt Mulstroe damit belehnt. Im 16. Jh. blieb die Burg im Besitz der Familie von Olmissen genannt Mulstroe. Mit Unterstützung des 1530 zum evangelischen Glauben konvertierten Johann von Olmissen genannt Mulstroe und seines Sohnes Ludwig entwickelte sich aus der Wiedertäuferbewegung eine reformierte Gemeinde. Ludwig erhielt die Burg nach dem Tode seines Vaters 1541. Im Jahr 1560 ging sie an seinen Sohn Johann und 1577 an dessen Sohn Ludwig; dabei wurden vom Erbe zwei Teile abgetrennt. Der Sitz ist auf dem Jülicher Ritterzettel von 1610/11 aufgeführt, was dessen Besitzer zur Teilnahme an den Jülicher Landtagen berechtigte. 1662 starb mit Johann Ludwig der letzte Olmissen-Mulstroe auf Burg Hückelhoven aus. Sie kam nun an dessen Cousine Elisabeth von Mulstroe, die sich 1667 mit dem Freiherren Johann Adam von Beeck auf Großkünkel (siehe dort) vermählte.
Ebenfalls durch Heirat ging der Sitz dann 1695 an den Feldmarschall Freiherr Johann Christian von Zobel. Aus einer Spezifikation (Beschreibung) von 1704 geht hervor, das der Landbesitz nur noch 108 Morgen umfasste. Außerdem gehörten zum Lehen das Patronatsrecht, eine Latbank mit den dazugehörigen Einnahmen, zwei Drittel des Hückelhovener Zehnten sowie die Jagd und Fischerei bei Hückelhoven. Im Jahr 1739 kamen der Freiherr von Calcum genannt Lohausen und schließlich 1765 die von Delen (auch Deelen geschrieben) in den Besitz der Burg. Der letzte adlige Burgherr, Freiherr Johann Jakob von Delen, starb 1786. Die Burg und der zwischenzeitlich stark geschrumpfte Besitz ging an die Erbengemeinschaft von fünf seiner Kinder. Durch Heirat mit einer Tochter des Freiherren gelangte letztlich alles an Matthias Joseph Kremer. Letzterer war um 1800 Bürgermeister und verkaufte das Anwesen, zu dem nur noch 17 Morgen Land gehörten, im Jahr 1830 an Johann Augustin Rossié. (Markus Westphal)

Durch Tausch wurde 1833 der Pfarrer Wilhelm Schnorrenberg neuer Eigentümer. Nach dessen Tod ging Haus Hückelhoven 1868 als Schenkung an den erzbischöflichen Stuhl in Köln um es für religiöse und wohltätige Zwecke zu verwenden. Da dieser letzte Wille vorerst nicht ausgeführt werden konnte, verpachtete man den Besitz von 1878 bis 1927. Nach einer umfassenden Restaurierung zogen die Ordensschwestern der Cellitinnen im Jahr 1928 hier ein und richteten einen Teil der Gebäude als Altersheim und Kindergarten her. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Haus Hückelhoven bis Mitte der 1950er-Jahre als Rathaus und wieder als Altenheim genutzt. Heute befindet sich in Haus Hückelhoven das Pfarrzentrum der kath. Kirchengemeinde St. Lambertus. Die Burg gehörte zum Gericht Doveren.

Bauentwicklung:
Die Burg dürfte eine Motte oder Hofesfeste als Vorgängerin gehabt haben. Ab dem 14./15. Jh. wurde die Anlage zu einer Wasserburg ausgebaut. Zu Burg gehörte zunächst eine Kapelle, später errichtete man an ihrer Stelle die erste St. Lambertus-Kirche, die 1887 dem heutigen Neubau weichen musste. In der Beschreibung von 1704 ist der Baubestand und seine Umgebung aufgeführt: Neben Haus, Hof, Vorhof, Weihern, Graben und Garten bestand auch ein Baumgarten von drei Morgen neben dem Haus und ein weiterer von fünf Morgen und 2,5 Viertel groß am "Parckhoff", dessen Namen heute in der Parkhofstraße weiterlebt. Im Codex Welser von 1723 sind die heute niedergelegten Wirtschaftsgebäude in Form einer vierseitig umbauten fünfeckigen Vorburg angeordnet, wobei die fünfte Seite die Hauptburg einnimmt. Ebenso exakt besteht der Hauptbau aus zwei gleichlaufenden Satteldächern mit identischen Staffeldächern. Der gesamte Grundriss ist genau, wenn man vom etwas verzerrten Verlauf der Gräben absieht. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude der Hauptburg nur wenig in Mitleidenschaft gezogen. Die Hauptburg wurde 1964/65 umfassend saniert und bis 1985 als Altersheim genutzt. Seit 1994 dienen die Gebäude als Pfarrzentrum. (Markus Westphal)

Baubeschreibung:
Bei Haus Hückelhoven handelte es sich um eine mehrteilige Burganlage. Sie war bis in das 20. Jahrhundert ringsum von Gräben umgeben, die fast alle zugeschüttet wurden. Nur an der Nord- und Westseite der Hauptburg sind die trockengelegten Gräben noch deutlich eingeschnitten. Das erhalten gebliebene, zweigeschossige Herrenhaus liegt auf einem künstlich aufgeschütteten Plateau mit einer Innenfläche von rund 24 mal 20 Metern, mit einem Versatz von rund fünf Metern im Bereich des Turmes. Der aus Backsteinen errichtete Bau stammt ursprünglich aus dem 14./15. Jahrhundert und wurde im 16./17. Jahrhundert umgebaut, wobei die versetzt liegende Nordseite der älteste Gebäudeteil des Burghauses ist. Die Südseite zeigt einen Renaissance-Doppelgiebel, dessen Verlauf mit getreppter und geschweifter Abfolge dem von Kleinkünkel (siehe dort) gleicht. In jedem Giebel sind zwei kleine rechteckige Fenster eingelassen, über denen noch jeweils eine runde Öffnung zu erkennen ist. Beide Giebel besitzen ein gesondertes Dach.
Über der einfachen rechteckigen Tür ist das Wappen der Familien Mulstroe-Mirbach aus dem 16./17. Jahrhundert eingelassen. Zu diesem Eingang führte von der Vorburg über den inzwischen zugeschütteten Wassergraben eine gemauerte Brücke. Der ältere Bauteil besitzt an der Nord- und Westseite je einen Staffelgiebel, von denen jeder an den Seiten und auf den Scheiteln über Eck gestellte Fialen besitzt. An diesen Fassaden fallen die beiden versetzt angeordneten Bogenblenden im ersten Stock und im Giebel auf, die durch Klötzchenfriese voneinander getrennt sind. Lediglich der Nordgiebel weist zudem ein zweites Klötzchenfries unterhalb der Bogenblenden des ersten Stockes auf. Während die Stichbogenfenster im 18. Jahrhundert nachträglich eingesetzt wurden, könnten die kleinen Fensteröffnungen im Bruchsteinmauerwerk eher zur Originalsubstanz gehören. Im Inneren des Gebäudes ist die Fachwerkkonstruktion in Teilen erhalten.
Ein quadratischer Turm ist an den älteren Bereich des Burghauses an der Ostseite angelehnt. Er weist dreieinhalb Geschosse auf, wobei alle Geschosse durch einen unterhalb der Fenster verlaufenden Klötzchenfries voneinander abgesetzt sind. Das erste und dritte Geschoss weisen die gleiche Höhe auf, während das zweite etwas niedriger angelegt ist. Als Dach besitzt der Turm eine achteckige Glockenhaube mit offener Laterne. Sie wird bekrönt mit einer abgesetzten Zwiebelkuppel, die eine geschmiedete Wetterfahne trägt. Inwieweit der Turm in voller Höhe erhalten ist, ist nicht zu klären, die Abbildung im Codex Welser von 1723 spricht jedenfalls dafür. Für den Turm wird als Bauzeit das 16. Jahrhundert angenommen, er könnte aber auch älter sein.
Ein Lageplan von 1841 zeigt den Aufbau der Vorburg: Sie bestand aus dem Torbau im Westen, den Wirtschaftsgebäuden im Süden, einer Scheune im Osten und den Marställen im Norden neben der Kirche. Südlich der Wirtschaftsgebäude befand sich der Garten. Der ganze Komplex einschließlich der Kirche war von unterschiedlich breiten Wassergräben umgeben, wobei Anfang des 19. Jahrhunderts der Garten durch einen eigenen Wassergraben abgetrennt war, 1841 aber nicht mehr. Das Innengelände der Vorburg einschließlich Kirchhof umfasste ungefähr 3.500 Quadratmeter. Die Vorburggebäude wurden Mitte des 19. Jahrhunderts mit Ausnahme des Torbaus und der Scheune niedergelegt und mit dem Schutt die Gräben teilweise verfüllt. 1887 folgten die Gräben um die Kirche, als diese wegen Baufälligkeit abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde.
Die gemauerte Scheune mit einer Grundfläche von 14,15 mal 7,85 Meter besaß Schießscharten an der Außenseite, die Innenseite bestand aus Fachwerk mit Spuren einer offenen Galerie; dieses Gebäude musste 1901 weichen. Der Torbau mit einer Grundfläche von 20 mal 6,5 Meter wies im Westen an der Feldseite Backsteinmauerwerk, an der Innenseite Fachwerk auf. In der Mitte befand sich ein Korbbogentor mit rechteckiger Blende, die mit einem Klötzchenfries abgeschlossen war. Im Torbau gab es eine Backraum sowie Stallungen. Durch die Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg drohte Einsturzgefahr, so dass der Bau schließlich 1951 einem Kindergartenneubau weichen musste. Nur der barocke Nordgiebel konnte gerettet und erhalten werden. (Markus Westphal)